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Interview: Das erste Mal Statist – wie wars?

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Hast du dich schonmal gefragt, wie es eigentlich so ist, als Statist zu arbeiten? Katharina auch – und hats dann einfach mal gemacht. Im Gespräch mit Casting.de erzählt sie, was sie erlebt hat und wie es war.

Der Erfahrungsbericht

Casting.de: Hi Katharina, du warst vor Kurzem zum ersten Mal Statistin. Erzähl mal, worum gings da?

Katharina: Ja, genau. Ich war beim Dreh eines Musikvideos einer deutschen Punk-Rock-Band. Die Band hat ein neues Lied aufgenommen und dafür auch ein Video geplant – und dafür haben sie einige Statisten gesucht.

Casting.de: Müssen wir eifersüchtig sein? Das Casting lief nicht über FAMEONME. Dort vermitteln wir schließlich auch Statisten und Kleindarsteller.

Katharina: Richtig, aber das lief ganz ohne Agentur. Ich habe auch nur über zwei Ecken davon gehört. Ein Freund schickte mir einen Twitter-Post, in dem jemand Statisten für eine befreundete Band suchte. Gedreht wurde in meiner Region und es wurden gezielt Menschen mit Erfahrung mit Streich- und Blechblasinstrumenten gesucht. Da habe ich einfach gepasst wie Streusel auf Eiscreme.

Casting.de: Und da warst du sofort Feuer und Flamme?

Katharina: Ganz ehrlich? Nö. Ich hatte zwar direkt ein bisschen Herzklopfen, habe aber schon überlegt, wie ich mich da rausreden kann.

Casting.de: Aber warum denn?

Katharina: Ich bin genau das, was man an einem Set nicht gebrauchen kann: unfotogen, kamerascheu und noch dazu ziemlich ungeschickt. Ich bin diejenige, die über das Tonkabel stolpert und dabei quer durchs ganze Bild poltert. Am besten noch mitsamt Hauptdarsteller, dem ich dabei noch ein blaues Auge verpasse (lacht).

Casting.de: Okay, das klingt wirklich nicht nach den besten Voraussetzungen.

Katharina: Na gut, ganz so schlimm ist es vielleicht doch nicht. Kleiner Spoiler: Ich glaube, ich habe mich auch nicht blamiert.

Casting.de: Wie kam es denn dann, dass du es trotzdem gemacht hast?

Katharina: Es war einfach zu verlockend, mal so etwas zu machen. Ich habe dann an die angegebene Mail-Adresse geschrieben und kurz drauf kamen schon die ersten Infos. Gedreht wurde in einem Freizeitpark – der war allerdings gar nicht wirklich in meiner Nähe. Mit dem Auto brauche ich 1,5 Stunden dorthin.

Start war abends und geplant war es, bis in die Nacht hinein zu drehen. An einem Montag. Nicht gerade verlockend, wenn man am nächsten Tag früh raus muss. Außerdem hatte ich an dem Abend auch noch einen Termin und hätte mich ganz schön beeilen müssen.

Und übrigens: Anders als bei den Casting-Aufrufen von FAMEONME war hier keine Aufwandsentschädigung für Komparsen vorgesehen. Es war ja kein klassischer kommerzieller Dreh.

Casting.de: Ach was! Und trotz alledem bist du hingefahren?

Katharina: Ja, ich habe schließlich zugesagt.

Casting.de: Und warum?

Katharina: Das Teufelchen auf meiner Schulter wollte gerne früh ins Bett gehen. Das Engelchen fand aber die Kontaktperson sympathisch und hatte Lust, mal was Neues auszuprobieren. Ich habe so etwas ja noch nie gemacht. Letztlich hat das Engelchen dann auch noch ein Totschlag-Argument ausgepackt: Es wird mich persönlich weiterbringen, wenn ich aus meiner Komfortzone heraustrete und etwas mache, wovon ich gar keine Ahnung habe. Noch dazu ganz alleine.

Casting.de: Punkt fürs Engelchen. Erzähl mal, wie lief es dann ab?

Katharina: Vor dem Dreh sollte ich noch ein Foto von mir in meinem geplanten Outfit und meine Handynummer hinschicken. Alle Statisten sollten schick in Schwarz kommen. Ich habe mich dann für eine schwarze Jeans und eine schwarze Bluse entschieden und meinen Mann gebeten, mit dem Handy ein Foto von mir zu knipsen, das ich dann hingeschickt habe.

Am Drehtag habe ich mich dann abends ganz gemütlich auf den Weg gemacht. Es war ziemlich heiß, deswegen habe ich meine Bluse noch nicht angezogen – ich wollte ja nicht komplett verschwitzt dort ankommen. Außerdem habe ich meine Posaune eingepackt, schließlich sollte ich eine Musikerin spielen. Es wurden zwar auch Instrumente gestellt, aber mit meinem eigenen fühle ich mich wohler.

Ich habe eine Anfahrtskizze per Mail bekommen. Als ich dort ankam, stand ich natürlich trotzdem wie der Esel vorm Heuhaufen und habe es nicht gefunden. Typisch. Aber damit war ich nicht alleine: Zwei andere Autofahrer irrten auch vorm Eingang herum. Nach kurzer Absprache durchs Fenster haben wir uns dann alle zusammen den Weg gebahnt.

Da war das erste Eis dann auch schon gebrochen. Beide waren supernett. Als wir dann geparkt hatten und zusammen zum Treffpunkt gegangen sind, wurden wir auch schon von einem Mitarbeiter der Crew empfangen. Er hat uns begrüßt, sich vorgestellt und uns gesagt, wo wir hingehen sollen. Außerdem hat er sich direkt bedankt, dass wir da sind. Das war wirklich ein schöner Empfang, da habe ich mich direkt wohlgefühlt.

Wir sind dann dorthin gegangen, wo er uns hingeschickt hat. Dort standen auch schon ein paar andere Statisten und Crew-Mitglieder. Es kam auch direkt ein Band-Mitglied, hat uns begrüßt und sich bedankt, dass wir da sind. Das hat mir dann wirklich den letzten Rest Unsicherheit genommen. Die Band ist nicht aufgetreten, als wären sie die großen Stars und wir nur die kleinen Statisten. Es war total entspannt, alle waren auf Augenhöhe und haben lockerflockig miteinander gequatscht.

Es war gar nicht möglich, etwas falsch zu machen.

Als dann alle da waren, gabs noch mal eine Ansprache, in der der Ablauf vorgestellt wurde. Es war also gar nicht möglich, etwas falsch zu machen. Die Zeitplanung war auch so entspannt, dass ich noch mal fix zur Toilette gehen und mich umziehen konnte.

Dann wurden wir noch alle verkabelt. Wir haben einen kleinen Empfänger und Kopfhörer bekommen, über die wir das Lied und die Regieanweisungen gehört haben.

Und dann gabs Pizza, Snacks und Getränke für alle. Noch ein bisschen Zeit totschlagen und dann gings los: Wir haben einen Probedurchlauf gemacht, mussten dann noch mal warten und dann wurde gedreht. Und gedreht. Und gedreht. Und gedreht.

Casting.de: Und was musstest du dann machen?

Katharina: Top Secret! Das Video ist noch nicht veröffentlicht, deswegen darf ich noch nichts verraten. Nur so viel: Ich habe natürlich eine Posaunistin gespielt, die passend zur Musik performt. Obwohl ich wirklich Musikerin bin, ist mir das ganz schön schwergefallen. Ich glaube, es wäre mir leichter gefallen, hätte ich das Lied wirklich gespielt.

(Update: Das gedrehte Musikvideo wurde mittlerweile veröffentlicht. Hier erfahrt ihr mehr darüber und seht Katharinas Einsatz.

Katharinas Aufgabe als Statist: Eine Posaunistin spielen. Für jemanden, der wirklich Posaune spielt, ja eigentlich ganz einfach – oder? (© Adobe Stock | Martin Barraud/KOTO)

Casting.de: Und wie hast du den Dreh empfunden? Hattest du Angst vor der Kamera?

Katharina: Nein, überraschenderweise war im komplett relaxt. Die Stimmung war so entspannt, als hätte ich mich auf einen Plausch mit Freunden getroffen. Da hatte ich gar keine Chance, mich unwohl zu fühlen.

Außerdem wurden die Statisten zuerst nur aus der Ferne gefilmt. Ich habe immer gedacht, ich bin da eh nicht drauf.

Aber dann kam die große Überraschung: Zum Schluss sollten noch ein paar Einzelaufnahmen gemacht werden. Dafür hat die Crew ein paar Statisten gefragt, ob sie Lust darauf hätten. Und ihr glaubt es nicht: Auch die unfotogene Katharina hat es in die nächste Runde geschafft (lacht). Vielleicht bin ich ja doch gar nicht so unfotogen, wie ich dachte?

Casting.de: Na sieh mal einer an! Das ist doch was!

Katharina: Erst mal abwarten – ich habe das Video noch nicht gesehen. Vielleicht haben sie mich ja doch noch rausgeschnitten (lacht).

Casting.de: Quatsch! Was ist denn dein Fazit des Drehs?

Katharina: Mein Fazit ist: Statist zu sein macht super viel Spaß! Allerdings muss mal viiieeel Geduld mitbringen. Denn die meiste Zeit verbringt man mit Warten.

Die meiste Zeit verbringt man mit Warten.

Casting.de: Also hast du es nicht bereut, hingefahren zu sein?

Katharina: Auf keinen Fall! Ich bin zwar erst um halb 3 Uhr nachts totmüde ins Bett geplumpst und eine Gage habe ich nicht bekommen, aber es war wirklich eine tolle Erfahrung. Beim nächsten Treffen mit meinen Freunden bin ich garantiert der Star. Und vielleicht bin ich sogar ein Zentimeterchen gewachsen – weil ich mich aus meiner Komfortzone begeben und mich ganz alleine durchgeschlagen habe. Und gar nicht mal schlecht, wie ich finde.

Casting.de: Na dann ab mit dir in die Kartei von FAMEONME! Die nächsten Komparsenrollen warten auf dich!

Katharina: Ja, warum nicht! Ich sehe das jetzt jedenfalls ganz anders als vorher. Wenn noch mal ein Dreh in der Nähe sein sollte, bewerbe ich mich vielleicht noch mal. An einem Filmset ist das bestimmt noch mal was anderes. Größer, vielleicht auch hektischer. Aber wer weiß – wahrscheinlich sind auch dort alle superlieb und kümmern sich zuckersüß um ihre Statisten.

Ich kann es jedem nur empfehlen, es mal mitzumachen. Castings gibt es ja mehr als genug, wie man bei Casting.de mitbekommt.

Casting.de: Danke für das Interview! Wir sind gespannt auf das Video!

Update: Das Ergebnis des Drehs

Update vom 21.07.2023: Heute haben wir endlich die ersehnte Nachricht von Katharina bekommen: Das Musikvideo ist online! Das Ergebnis von Katharinas Einsatz seht ihr unten.

Wir finden: Beeindruckend, was der Einsatz der Statisten in diesem Video ausmacht, oder?

Viele Statisten, coole Stimmung: Katharina spielt eine der Posaunistinnen des Orchesters.
Über den Autor
Andreas Donat

Geschäftsführer, FAMEONME Casting GmbH

Andreas Donat startete nach seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann in die „Welt der Medien“ und arbeitete dort für die TV-Produktion Endemol Deutschland in der Casting-Redaktion von „Wer wird Millionär“. Nach zahlreichen Live-Besuchen von TV-Produktionen – aus Interesse am Medium Fernsehen – verschlug es ihn nach Aschaffenburg zur Agentur Promikativ, die sich auf die Vermarktung von Prominenten (u.a. Kai Pflaume) spezialisiert hat. Dort absolvierte er berufsbegleitend ein Studium der Kommunikationswirtschaft an der Akademie für Marketing-Kommunikation in Frankfurt am Main. Als Geschäftsführer von FAMEONME Casting ist Andreas Donat schwerpunktmäßig für die Projekt-Leitung (Fernsehen) sowie für alle im Zusammenhang mit dem Online-Portal stehenden Aufgaben verantwortlich.

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