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Sicherheit am Filmset: Was du als Komparse wissen musst

© Adobe Stock | Anna

Wenn du als Komparse oder Darsteller in einem Film mitspielst, denkst du wahrscheinlich zuerst an Glanz, Glamour, aufregende Erfahrungen und große Filmstars. Erst irgendwann danach kommt das Thema Sicherheit. Und du hast Recht: Sicherheit an Filmsets ist kein Thema, an das man gerne denkt. Und trotzdem gehört es dazu.

Wir verraten dir, warum Sicherheit am Set so wichtig ist, was am Set dafür getan wird und wie du als Komparse oder Darsteller selbst für mehr Sicherheit sorgst.

Warum Sicherheit ein wichtiges Thema ist: Wie oft passiert überhaupt etwas?

Eigentlich logisch, dass ab und zu auch mal was richtig schiefläuft, oder? Schließlich sind auch Schauspieler und die gesamte Crew nur Menschen. Schaut man sich an, wie beispielsweise Tom Cruise in seinen Filmen einen gefährlichen Stunt nach dem nächsten aus dem Ärmel schüttelt, ist das Unfallpotenzial vorprogrammiert. So hat sich Tom Cruise vor einigen Jahren bei einem Mission Impossible-Dreh zum Beispiel gleich mehrere Knochen im Fuß gebrochen.

Spätestens seit den Schlagzeilen um den Schuss-Unfall von Alec Baldwin ist uns allen wieder bewusst: Nicht nur Schauspieler haben manchmal einen gefährlichen Job, sondern die ganze Crew. Kameraleute, Bühnenbildner, Beleuchter – sie alle sind mitten im Geschehen und ganz nah dran, wenn es riskant wird.

Offizielle Statistiken gibt es zwar nicht, aber gleich mehrere Portale berichten im Netz über Unfälle am Set. Und ja: Ab und zu sind auch Komparsen betroffen. Ein besonders schwerer Unfall passierte zum Beispiel 1928 bei den Dreharbeiten für den Film Die Arche Noah. Dort ertranken mehrere Statisten in den simulierten Fluten.

Bestimmt fällt dir direkt auf: Dieser tragische Unfall liegt nun schon fast 100 Jahre zurück. Seitdem hat sich zum Glück eine Menge getan.

Ein großer Schritt in Richtung Sicherheit erfolgte auch nach einem tödlichen Hubschrauber-Unfall bei den Dreharbeiten für Unheimliche Schattenlichter. Ein Artikel der britischen Zeitung The Telegraph berichtet, dass anschließend umfangreiche Sicherheitsvorschriften für Dreharbeiten an Filmsets eingeführt wurden – schon in den folgenden vier Jahren sank die Zahl der Unfälle demnach um 70 %. Und das wiederum sind richtig gute Nachrichten, oder?

Heute gibt es ziemlich strenge Vorschriften für die Sicherheit aller Beteiligten an einem Filmset. Also auch für Komparsen und Kleindarsteller.

Diese Sicherheitsvorkehrungen an Filmsets gibt es

Wenn wir an Filme denken, bekommen wir immer ein bisschen Gänsehaut. Wir denken an Stars, rote Teppiche und richtig gute Unterhaltung. Aber wenn wir den ganzen Glitzer und Glamour mal wegpusten, ist ein Filmset eigentlich vor allem eines: Ein Arbeitsplatz. Schauspieler, Kameraleute, Visagisten und viele andere machen hier schlichtweg ihre Arbeit.

Deswegen gelten auch für Filmsets die gleichen Vorschriften, wie für andere Arbeitsplätze auch. Und die sind in ihrer Basis sogar gesetzlich vorgeschrieben – nämlich im Sozialgesetzbuch. Demnach müssen an jedem Arbeitsplatz geeignete Maßnahmen für Arbeitsschutz und Unfallverhütung getroffen werden. Also auch am Filmset.

Das betrifft schon ganz unspektakuläre Dinge wie die Kennzeichnung von Stolperfallen (und davon gibt es am Filmset einige!), der Umgang mit Gefahrenstoffen oder der sichere Umgang mit Strom. Richtig spannend wird’s in Bezug auf die ganzen Besonderheiten, die ein Filmset so mit sich bringt. Wie wärs mit ein paar Beispielen?

Sicherheit bei Stunts

Keine Angst: Als Komparse oder Kleindarsteller musst keine gefährlichen Stunts meistern. Denn das übernehmen professionelle Stuntmen und Stuntwomen, die über Spezialagenturen wie beispielsweise die German Stunt Association gebucht werden. Manchmal übernehmen die Schauspieler ihr Stunts auch selbst – Tom Cruise zum Beispiel. Aber auch die deutsche Schauspielerin Lisa Maria Potthoff macht ihre Stunts am liebsten selbst.

Die gefährlichen Arbeiten am Set übernehmen Profis. Natürlich unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. (© Adobe Stock | sw67)

Ist ein Stunt geplant, ist auch ein sogenannter Stuntkoordinator am Set. Er oder sie kümmert sich um die Planung und die Umsetzung des Stunts. Und zwar so, dass dieser hinterher den Vorstellungen der Regie entspricht und gleichzeitig die Sicherheit aller Beteiligten gewährleistet ist.

Zusätzlich sind Spezialisten für die Absicherung der Stunts vor Ort. Sie organisieren und betreuen das nötige Equipment und nehmen Sicherheitsvorkehrungen vor. Das beginnt bei hautverträglichen Flammschutzmitteln und hört bei Fallnetz und weichen Matten noch lange nicht auf.

Für alles legt sich der Stunt-Koordinator nicht nur einen detaillierten Plan zurecht, sondern trommelt vor jeder Durchführung auch nochmal alle beteiligten Personen zusammen. Erst wenn jeder weiß, was zu tun ist, geht’s los.

Besonders wichtig: Natürlich geht nicht immer alles gut. Deswegen gibt es für jeden Stunt auch Notfallpläne. Je nachdem wie der Stunt aussieht, gehören dazu zum Beispiel Feuerlöscher oder gleich eine ganze Feuerwehr-Flotte, Ersthelfer oder gleich ein ganzer Rettungsdienst und Bergungswerkzeug oder gleich ein Kran. Im Idealfall wird nichts davon gebraucht.

Sicherheit mit Waffen

Waffen sind eine ganz eigene Hausnummer. Das zeigen gleich mehrere Unfälle aus Hollywood, bei denen es zu Verletzungen oder sogar Todesfällen kam. Auch bei den Dreharbeiten für The Crow – Die Krähe kam es 1993 zu einem tödlichen Zwischenfall, bei dem Schauspieler Brandon Lee sein Leben verlor.

Der Umgang mit Waffen am Filmset ist deswegen besonders streng geregelt.

In einem Bericht der Unfallkasse verrät ein Sicherheitsberater für Stunts und andere gefährliche Dreharbeiten an Filmsets, was es damit auf sich hat: So muss bei jedem Dreh mit Waffen immer ein Waffenmeister oder anderes speziell geschultes Fachpersonal anwesend sein. In Deutschland sei der Umgang mit „echten“ Waffen grundsätzlich verboten – es werde ausschließlich mit Schreckschusswaffen oder speziell umgebauten Waffen gearbeitet.

Nice to know: Damit auch „falsche Waffen“ so echt wie möglich aussehen, gibt es verschiedene Spezialagenturen, die genau solche Waffen bereitstellen. Zum Beispiel das LEON Actionteam.

Bevor es losgeht, bekommen alle Beteiligten eine sorgfältige Erklärung. Damit jeder weiß, wie die Waffen funktionieren und was es zu beachten gibt. Schließlich kann man bei falscher Verwendung auch mit einer Schreckschusswaffe eine Menge Schaden anrichten.

Übrigens: Obwohl Filme immer actionreicher werden, werden tendenziell eher weniger gefährliche Waffen eingesetzt. Das liegt daran, dass die Nachbearbeitung mittlerweile wahre Wunder vollbringt. Beim Dreh muss also nicht unbedingt geschossen werden, damit es im Film später dramatisch aussieht.

Bei Filmdrehs wie diesem sind Waffen im Spiel. Deswegen gibt es besonders strenge Sicherheitsvorschriften. (© Adobe Stock | APchanel)

Sicherheit an besonderen Orten

Im sicheren Studio entscheidet die Crew selbst, mit welchen Umgebungsherausforderungen sie zu tun hat. Outdoor sieht das schon ganz anders aus. Die Umweltbedingungen bergen dort völlig unterschiedliche Gefahren. Bei den Dreharbeiten für den Film Die Passion Christi sollen ganze drei Mal beteiligte Personen vom Blitz getroffen worden sein. Fast schon ein bisschen unheimlich, oder?

Auch Drehs an „ganz normalen“ Orten können gefährlich werden. So ist es an Bahnhöfen, Bahngleisen oder auf Brücken bereits mehrfach zu gefährlichen Zwischenfällen gekommen.

Damit so etwas nicht öfter passiert, gibt es strenge Sicherheitsvorgaben. Häufig werden auch spezielle Unternehmen gebucht, die sich um die Sicherheit kümmern. Ein Beispiel dafür ist Filmservice Andermann, der sich unter anderem beim Dreh von Babylon Berlin (ARD) um die Sicherheit vor Ort gekümmert hat. Das beginnt schon bei Straßensperrungen, damit sich Darsteller und Crew auch hinter der Kamera sicher bewegen können.

Und viele weitere, spezielle Sicherheitsvorschriften

Du ahnst es schon: Das waren längst nicht alle Vorschriften und Besonderheiten für sichere Filmdrehs. Eine weitere wichtige Maßnahme ist zum Beispiel eine ausführliche Gefährdungsanalyse, bei der alle lauernden Gefahren ausfindig gemacht werden. Sie wird ganz zu Beginn gemacht, damit die Crew überhaupt weiß, mit welchen Risiken sie zu tun hat.

Regen? Dunkelheit? Oder doch ganz andere Bedingungen? Um zu wissen, welche Gefahren am Set lauern, muss erstmal eine Gefahrenanalyse her. (© Adobe Stock | sw67)

Aus dieser Analyse ergibt sich dann, welche Schritte wichtig sind. Wird an Seen oder sogar im Meer gedreht? Dann sollte unbedingt eine Seenotrettung dabei sein. Benötigen die Darsteller eine besondere Maske? Dann sollten alle Bestandteile unbedingt hautverträglich sein. Sind Kinder mit dabei? Dann gelten besondere Schutzvorschriften.

Du siehst also: Sicherheit am Filmset ist ein ziemlich umfangreiches Thema – und mittlerweile durch einige traurige Zwischenfälle mehr in den Mittelpunkt gerückt.

Was du als Statist, Komparse oder Darsteller selbst für deine Sicherheit tun kannst

Befolge die Anweisungen!

Nicht nur wichtig für deine Sicherheit, sondern für den gesamten Ablauf: Am Filmset hat die Regie das Sagen. Was der Regisseur bzw. die Regisseurin und ihre Crew sagen, ist Gesetz. Wenn du die Anweisung bekommst, einen bestimmten Bereich nicht zu betreten, wird das seine Gründe haben. Und wenn du während deines Einsatzes eine strenge Abfolge einhalten musst, dann ist auch das wichtig für deine Sicherheit.

Übrigens: Wenn du an Stunt-Szenen beteiligt bist, ist es direkt noch wichtiger, wirklich alle Anweisungen zu befolgen. Zum Einen, um dich nicht in Gefahr zu bringen. Zum Anderen, damit die Szene nicht wegen eines kleinen Fehlers nochmal gedreht werden muss. Das würde nur eine unnötige zusätzliche Gefahrensituation provozieren. Typische Fehler von Komparsen sind zum Beispiel, versehentlich in die Kamera zu schauen.

Sei wachsam!

Das ganze Set ist ein riesengroßes Abenteuer. Überall liegt was rum, überall laufen Menschen, überall ist was los. Deswegen ist es am Filmset wie im Straßenverkehr: Augen auf und aufpassen! Daddle nicht am Handy, während du umherläufst, sondern schau auf den Weg. Andernfalls übersiehst du womöglich ein Kabel oder die Schienen des Kamerawagens. Wäre ja auch irgendwie peinlich, vor versammelter Mannschaft darüber zu stolpern, oder?

Achtung, Kabel! An Filmsets musst du immer aufpassen, wo du hinläufst. Sonst drohen ärgerliche Unfälle. (© Adobe Stock | guruXOX)

Fass nichts an!

Zugegeben: Die ganzen Requisiten sind ultraspannend. Es ist wirklich verlockend, einfach mal zuzugreifen und die eine oder andere davon auszuprobieren. Aber Finger weg! Es kann richtig Ärger geben, etwas anzufassen, was nicht für deine Hände bestimmt ist. Und natürlich kann es auch gefährlich werden – du weißt schließlich nicht, was es damit auf sich hat.

Denk mit!

Am Filmset kann es schonmal hektisch zugehen. Und ja: Manchmal übersieht die Crew auch etwas. Wenn dir auffällt, dass etwas ganz offensichtlich nicht richtig ist, dann sprich es so schnell wie möglich an. Das verhindert blöde Fehler, die schnell gefährlich werden können.

So ist es zum Beispiel bei den Dreharbeiten für den Film Valkyrie mit Tom Cruise passiert. Weil die Ladeklappe eines Lastwagens, der Statisten umherfuhr, nicht richtig verschlossen war, wurden gleich mehrere Menschen verletzt. Wärst du als Statist dabei gewesen und hättest gesehen, dass die Ladeklappe nicht richtig verschlossen ist, wärst du mit einem kleinen Hinweis schnell zum Held geworden.

Überleg dir vorher, ob du diese spezielle Rolle übernehmen möchtest!

Deine eigene Sicherheit geht über alles. Wenn du ein schlechtes Bauchgefühl bei etwas hast, dann lass es. Ein „ich hab’s geahnt“ hilft dir hinterher auch nicht mehr weiter. Andersherum ist es gar nicht mal so einfach, einen Rückzieher zu machen, wenn du schon am Set bist. Damit würdest du außerdem den Ablauf ganz schön durcheinander bringen. Die beste Lösung für alle: Überleg dir vorher genau, ob du genau diese Statistenrolle übernehmen möchtest.

Seriöse Casting Agenturen informieren dich deswegen schon vor der Buchung ziemlich genau, was du am Set machen musst. So weißt du, was dich erwartet. Wenn du zum Beispiel Höhenangst hast, aber in luftiger Höhe spielen sollst, ist diese Rolle nichts für dich. Wichtig ist dafür, ehrlich mit deinen Wünschen und Ängsten umzugehen. Versprich nichts, was du nicht halten kannst und verschweige nichts, was wichtig sein könnte.

Verschweigst du zum Beispiel, dass du nicht schwimmen kannst, kann es echt gefährlich werden, wenn deine Rolle auf dem Wasser geplant ist. Dein Einsatz als Statist soll dir Spaß machen und keine Gefahr für dich und andere werden!

Über den Autor
Giuseppe Gennaro

Geschäftsführer, FAMEONME Casting GmbH

Giuseppe Gennaro studierte nach seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Marketing und Kommunikation an der Westdeutschen Akademie für Kommunikation in Köln. Er war Stipendiat des EU-Förderprogramms „Leonardo da Vinci“ und betreute Marketing- und Kommunikationsprojekte für Renault, Gerolsteiner, FIFA und die Sparkassen-Finanzgruppe. Als Geschäftsführer von FAMEONME Casting ist Giuseppe Gennaro schwerpunktmäßig für die Projekt-Leitung (Werbung) sowie für Personal & Budgetierung verantwortlich.

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